Alleingeborener Zwilling – Folgen für das Beziehungsleben
Es gibt verschiedene Ausprägung, wie der Alleingeborene Zwilling von dem frühen Verlusttrauma (Verlorener Zwilling) geprägt wurde. Dies ist u.a. abhängig davon welche Überlebensstrategien gewählt wurden.
Fluchtzwilling oder Schmelzzwilling
Ein Fluchtzwilling ist der Alleingeborene Zwilling, der immer ausweicht oder flüchtet, wenn es zu nah oder intim wird. Vielleicht konnte er im Mutterleib nicht flüchten, nachdem der andere Zwilling gestorben ist. Zuviel Nähe wird nun als gefährlich interpretiert. Das letzte Mal als es so richtig nah, symbiotisch und schön war (und nach dieser Symbiose gibt es ein starkes unbewusstes Verlangen), ist sein Gegenüber gestorben. Die Nähe wird also unterbewusst als Ursache für den Verlust gesehen.
War ich zu lebendig? Kam ich dem Zwilling zu nah und habe ihn verdrängt? Oder habe ich ihm alles weggegessen? …ich fühle mich so schuldig! So oder so ähnlich können die unbewussten Muster der Schudgefühle manifestiert sein.
Ein Schmelzzwilling ist der Alleingeborene Zwillingstyp, der gar nicht genug Nähe und Intimität bekommen kann. Er sehnt sich offen nach Verschmelzung und hat den Zwillingsverlust wahrscheinlich ganz anders erlebt als ein Fluchtzwilling.
Vielleicht ist der Schmelzzwilling eingschlafen und als er wach wurde, war sein geliebter Zwilling spurlos verschwunden – vielleicht weil er „abgegangen“ ist oder gar abgetrieben wurde. Nun sucht der Schmelzzwilling die ganze Welt ab nach seinem Verlorenen Zwilling, dabei verwechselt er vielleicht unzählige Freunde oder Partner mit dem Zwilling und Niemand kann ihm nah und intim genug werden. Im Vordergrund steht meistens die Verlustangst und ähnliche Ängste wie z.B. vor dem Allein sein.
Retraumatiserung von Schmelzzwilling durch den Fluchtzwilling
Kein anderer Mensch kann den Zwilling ersetzen, irgendetwas fehlt immer. Dazu kommt, dass Schmelzies energetisch immer wieder an Fluchties geraten, da sie sich scheinbar anziehen wie Magnete. Das Ergebnis ist, dass sie sich immer wieder Retraumatisieren.
Das Zusammen- und Außeinandergehen der Alleingeborenen Zwillinge gleicht dabei einem Tango. Es entsteht ein enges Band der emotionalen und oder körperlichen Abhängigkeit, die dann immer wieder vom Fluchtzwilling wie ein Gummiband auf maximale Entfernung gedehnt wird, nur um dann wieder zusammenzuschnellen.
Nähe und Distanz wechseln sich ab und beide Seiten leiden, wissen aber aufgrund des verdeckten Traumas gar nicht WAS sie da eigentlich die ganze Zeit machen. Beide wollen doch nur glücklich sein und sehnen sich nach Verschmelzung mit dem Zwilling. On-/Off-Beziehungen sind immer wieder das Ergebnis.
Grenzen!?

Geburt: Bindung zur Mutter
Wenn ein Verlorener Zwilling als vorgeburtliches Trauma vorliegt ist das Urvertrauen massiv erschüttert. Die Mutter ist für Alleingeborene Zwillinge nicht die wichtigste Person im Leben, denn dieser Platz ist frei, er gehört dem fehlenden Zwilling. Dieser wird nun unbewusst gesucht und die Mutter wird unter Umständen als gefährlich (Kriegsschauplatz) empfunden und abgelehnt, selbst wenn sie „alles optimal“ macht.
Bei lebenden Zwillingen ist der Zwilling immer im Fokus und somit spielen die Eltern und anderen Geschwister eher eine Nebenrolle.
Zwillinge haben oft schon sehr früh eine eigene Sprache, damit verstehen sich blind.
Auch sehr interessant für Alleingeborene Zwillinge ist die Erforschung von lebenden Zwillingspaaren und Siamesischen Zwillingen und deren Besonderheiten im Verhalten.
Zwillingsverlust
Wenn ein erwachsener Zwilling stirbt, fällt der verbliebene Zwilling meistens in starke Depressionen mit Nachfolgesog. Dieser kann sich äußern in Gefühlen wie: Ich will bei Dir sein! Ich kann ohne Dich nicht leben! Ich folge Dir nach!
Bei dem vorgeburtlichen Verlust sind die Folgen und der Sog ähnlich. Leider aber nicht „begreifbar“, erst recht nicht, wenn das Trauma nicht bekannt ist.
Entwicklung als Alleingeborener Zwilling
Niemand ist der/die Richtige: Isolation und Einsamkeit
Projektion auf das Gegenüber: Verschmelzungswunsch mit dem Gegenüber.
Sexueller Missbrauch und sexuelle Übergriffe
Alleingeborene Zwillinge werden häufig in der Kindheit Opfer von Grenzverletzungen. Auch im Erwachsenenalter werden viele Opfer von sexuellem Missbrauch und sexuellen Übergriffen.
Alleingeborene Zwillinge senden unbewusst teilweise massive Signale. Weil sie ganz viel körperliche Nähe brauchen und sich nach Verschmelzung sehnen (Hauthunger).
Opfer und Täter ziehen sich scheinbar magisch an
Manche Alleingeborene Zwillinge ähneln energetisch einem Selbstbedienungsladen mit Leuchtreklame und ohne Verkaufs- und Wachpersonal. Sie können sich nicht, oder nur unzureichend abgrenzen und ihre Grenze schützen. Somit werden auch potentielle Täter angezogen und antriggert. Diese neigen ihrerseits zu grenzverletzendem und grenzüberschreitendem Verhalten.
Es zeigt sich immer wieder, dass sich Opfer und Täter scheinbar magisch anziehen.
Auch Narzisstischer Missbrauch widerfährt viele Zwillingen. Da sie sich gar nicht vortellen können, dass Menschen böse, unaufrichtig und manipulativ sein können.

Beziehungsprobleme Alleingeborener Zwillinge
Verlustängste sorgen für ein Ungleichgewicht in der Beziehung. Eine Klammerhaltung führt oft zu einer Befreiung des Gegenübers. Und genau das sorgt für eine gefühlte Wiederholung des Traumas (ER/SIE ist plötzlich weg).
3er-Konstellationen
Dreiecksbeziehungen, Außenbeziehungen können Hinweise auf Drillings-Konstellation sein. Wenn zu zweit immer eine Person „fehlt“.
Nähe ist gefährlich!?
Wenn es zu nah, harmonisch, intensiv und schön wird, tritt eine Seite die Flucht an. Der Fluchtzwilling geht immer wieder, weil das letzte Mal als es gerade so schön und symbiotisch war, das Trauma-Ereignis geschah.